Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist in der Bundesrepublik Deutschland tradiert und tief in der Gesellschaft verankert.

Alle Staaten, die das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (Istanbul-Konventionratifiziert haben, erkennen neben dem Handlungsbedarf auch an, dass Gewalt gegen Frauen, „als geschlechtsspezifische Gewalt strukturellen Charakter“ hat. So tut es auch die Bundesrepublik Deutschland, seit dem 01. Februar 2018 national und international rechtsbindend.

In Deutschland erhebt das Bundeskriminalamt mit der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) seit 2015 Daten zu geschlechtsspezifischer Gewalt-Kriminalität. Kriterien, die für eine gezielte Prävention erforderlichen sind, wie bspw. die Gewalthistorie oder die Tatmotivation der Täter/Töter, werden allerdings nicht erfasst und entsprechend auch nicht analysiert. Die PKS ist Deutschlands einzige offizielle Datensammlung zu Gewalt gegen Frauen, d.h. alle beteiligten Akteur*innen sind auf diese eine Auswertung angewiesen. Die PKS wird nach wie vor jeweils erst im November des Folgejahres öffentlich vorgestellt und ist somit bereits zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung völlig veraltet.

Artikel 11 der Istanbul-Konvention beschreibt die staatliche Verpflichtung zu „Datensammlung und Forschung“ detailliert, dennoch bitten Institutionen, wie z.B. das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) oder die Vereinten Nationen (UN) die Bundesrepublik Deutschland seit Jahren vergeblich um vergleichbare Daten zu Gewalt gegen Frauen, um sich einen internationalen Überblick zu verschaffen, bzw. um grenzüberschreitende, präventive Synergien zu entwickeln. Im November 2020, d.h. knapp drei Jahren nach in Kraft treten des europäischen Gesetzes in Deutschland, konstatiert die Bundesregierung auf eine offizielle Anfrage: “Auf der Grundlage der polizeilichen Kriminalstatistik können keine Aussagen über Femizide getroffen werden.

Evidenzbasierte Daten werden dringend benötigt, um die seit Jahrzehnten gebilligten, gravierenden Menschenrechtsverletzungen in Form von Gewalt gegen Frauen endlich ursächlich, zielgerichtet und effizient bekämpfen zu können.

Da die Bundesrepublik Deutschland bei Femiziden zwischenzeitlich den europäischen Negativrekord hält, arbeitet das Femicide Oberservation Center Germany (FOCG) an diesen drei Zielen: Forschung, Bildung und Bewusstsein

Erste Erfolge zeichnen sich ab: Auf Basis einer Femizid-Datenbank, die mehr als 70 Einzelkriterien abbildet, konnten Mitte November 2020 erstmalig validierte Aussagen zu geschlechtsbasierter, deutscher Gewalt gegen Frauen publiziert werden.  Diese ergänzen das rudimentäre Realitätsbild der PKS um eine Reihe relevanter Erkenntnisse: Von der Identifikation sogenannter “Red Flags” bis zum Genderaspekt in der Judikative.

210.01.2021 – Zeitgleich mit dem Ende der misogynen Trump Ära, ist es eine große Ehre, annoncieren zu dürfen, dass die UN Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für Gewalt gegen Frauen, ihre Ursachen und Konsequenzen, Frau Dubravka Simonovic, die Forschungsergebnisse des Femicide Observation Center Germany anerkannt und veröffentlicht hat: https://www.ohchr.org/Documents/Issues/Women/SR/Femicide/2020/CSOs/femicide-observation-center-germany.pdf

Damit sind belastbare Daten zu deutschen Femiziden, basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, erstmalig international sichtbar.

Verlässliche Daten und das damit einhergehende Verständnis von Art und Ausmaß, bzw. Ursache und Wirkung ermöglichen langfristig die nachhaltige Eindämmung geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Mädchen und Frauen.

Die Leistungen des FOCG sind ein eminenter Beitrag zur präventiven Sensibilisierung, zu einer zunehmend genaueren Risikoeinschätzung in Akutsituationen, sowie in Summe auch zur Verbesserung der innerdeutschen (und damit auch europäischen) Sicherheitslage.

© Prof. Dr. Kristina Felicitas Wolff – Femicide Observation Center Germany (FOCG)